
Wenden wir uns also dem einzigen weltbestimmenden Thema zu, seit Jahrhunderten von Funk und Fernsehen durchdekliniert und trotzdem botoxfrisch: die Liebe.
Der diesjährige Besprechungsgegenstand würde Susan Stahnke vor Scham im Boden versinken lassen, wo sie, seien wir mal ehrlich, weit weniger stören würde. Der naiv-liebliche Produktname "in Love" steht in bizarrem Kontrast zur Gestaltung der restlichen Verpackung. Wir sehen zwei blutjunge Moussefladen, die sich wollüstig aneinander reiben. Wahrscheinlich sind die beiden nicht einmal verheiratet, ob sie Safer Sex praktizieren, ist nicht ersichtlich.
Das zügelose Treiben ist nicht unbemerkt geblieben. Ein Pärchen Karamellziegel und zwei Brocken Schokolade beobachten das tabulose Paar. Während das Karamell vorerst nur Händchen hält, ist die Schokolade bereits in eindeutig kopulativer Position zu sehen. Am unteren linken Deckelrand und nur schemenhaft zu erkennen: ein offenbar heftig masturbierender Single-Karamell. Ein 80er-Jahre-Fototapetensonnenuntergang taucht die Szenerie in ein puffiges Licht. Als ob das noch nötig gewesen wäre. Auch dem dem Bildungsbürger ist längst klar: Er wohnt einer RTL-II-Reportage aus dem Swingermilieu bei. Die Ansprache am oberen linken Verpackungsrand präsentiert sich der Zielgruppe entsprechend kognitiv kleinteilig: "weniger als 5 % Fett, daher fettreduziert".
"Sodom und Gomorrha!", raunt der konservative Konsument, während er den Löffel tief in das Dessert einfahren lässt. Der Rest ist Stöhnen.