Samstag, 14. März 2009

Elite Fettarmer Joghurt Mild

Jaaaa! Ein 500g-Eimer Joghurt! Mit ohne Frucht! Mit Joghurtgeschmack!!!
Man fasst es nicht.

Aber der Reihe nach. Über einem schneeweißen Ufo, das über eine grüne Wiese fegt, und gleich eine Löwenzahnblüte köpfen wird, prangt das blaue Wort "Joghurt", begleitet von seinen Kumpels "fettarmer" und "mild". Bekrönt "Elite" sagt das Alusiegel auch noch, nun denn.

Reißt man nun das Siegel gierig vom Plastikbecher und bringt die Beherrschung auf, erstmal nur an dem Eimer zu riechen, so durchzieht ein leicht dumpfer Geruch die Nase, im Gefolge ein rasant auffrischender scharf-säuerlicher Duft. Da wird's dann langsam schwierig mit der Beherrschung. Farbe: warmes Weiß. Konsistenz: langsam fließend, sahnWaaahh Haaaaps, Mampf, Schlurps...

Und das ist das unglaubliche. Die leichte Säure durchfließt einen, belebend, freundlich lächelnd, kleine runde Kekse anbietend. Selbst das leicht rauhe Mundgefühl, grinst einen schelmisch an und will mit einem Pferde stehlen. Ein großes Glücksgefühl, beinahe eine Erinnerung an den alten Aldi-Joghurt. Ach, nein, wir wollen nicht übertreiben.

Aber dennoch, eine erlösende Erfahrung geradezu.

Elite fettarmer Joghurt. Der milde für Löwenzähne.


Klappe!! Aus! Und Danke.

Kurz Pause!


Boah, jetzt ein kleines Steak.

Montag, 23. Februar 2009

Bionade Litschi

Helau, und das alles!

Haha!

Hahahaha!

Da ich in Braunschweig bin, während ich das hier schreibe und Braunschweig seit ca. 10 Jahren der Meinung ist, Karneval-Hochburg sein zu müssen ("Die Karnevalhochburg Norddeutschlands". Bitte mal auf der Zunge zergehen lassen), kann man das am Rosenmontag ja nicht ignorieren.

Und daher, haha, kommt der heute zu testende Magerquark ALS BIONADE VERKLEIDET!!!

Und das hat er ganz hevorragend gemacht! Hahaha! Die Verpackung sieht erstmal gar nicht wie eine Quark-Plastikschale mir Alufolie obendrauf aus! Also die Flaschenimitation ist super gelungen! So richtig flaschig!

Selbst das Abzeichen der französischen Luftstreitkräfte auf dem Kronkorken ist genauso fast gelungen wie bei der echten Bionade!!

Und der Verwandlungskünste sind kein Ende! Der Magerquark ist flüssig!! Und durchsichtig!!! Und gelblich wie, nein, da fällt mir grad kein Vergleich ein!!!einhundertelf!!

So. Da man durch diese Zauberei ja beeindruckt ist und das ganze ja dann auch mal probieren will, nimmt man die pseudofranzösische Alufolie ab und nimmt einen kräftigen Schluck gelber Flüssigkeit aus der Plastikschale.

Haha, wir lassen uns ja gerne mit Illusionskünsten verführen, aber hehe, sooo dämlich sind wir natürlich nicht.

Der Magerquark schmeckt entsetzlich. Kohlensäure! Da guckt man ja auch erstmal aufs Haltbarkeitsdatum. Sehr flüssig, wie gesagt, dann einen leichten Litschigeschmack, der da nun wirklich nicht hingehört. Und dann eine leichte Süsse, hart an der Grenze zum Zuviel. Und für Magerquark TOTAL unpassend. Für einen quarkigen Schmelz zu flüssig und zu durchsichtig, für einen quarkigen Geschmack zu süss, und dann noch Litschiaroma.

So kann man vielleicht eine gute Limonade machen.

Aber doch keinen Magerquark.


Nenene! Sooo dämlich sind wir nicht.

Hah!

Mittwoch, 18. Februar 2009

Müller Kalinka Kefir

Kommen wir zurück zu den Leuten, die sich gerne in lächerliche Situationen begeben.

Meinen ersten Champagnerrausch hatte ich mit Ende zwanzig. Von den Alkoholika, die ich zuvor konsumiert hatte, in der Mehrheit Billigwein und obskure Mischgetränke, war ich ein eher rüdes Ausschalten meiner Kontrollmechanismen gewohnt. Der Champagner benahm sich aber wie eine feine Dame und tat erst mal nichts. Stunden später, ich hatte die zwei, drei Gläschen schon fast wieder vergessen, trübte sich mein Sichtfeld ein, was mir aber nichts ausmachte, da mich gleichzeitig eine milde Euphorie ergriff. Dieser Zustand hielt ungefähr eine halbe Stunde an. Das war der beste Rausch, den ich je hatte.

Leider kann ich mir Champagner nicht leisten. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Getränk, das einen ähnlichen Effekt hervorrief. Lambrusco und Schnaps verwarf ich schnell wieder, genauso wie Lambrusco gemischt mit Schnaps. Für das 0,2-l-Glas Batida, das mir zu Beischlafbeschleunigungszwecken in einem Tanzlokal verabreicht wurde, in dem der Ausschank von Batida längst nicht der schlimmste Straftatbestand war, hätte es gewiss auch eine Flasche Aldi-Champagner gegeben. Diese Chance verwehte ungenutzt.

In meiner wachsenden Verzweiflung ließ ich die Grenzen des guten Geschmacks weit hinter mir. Ich konsumierte Kilkenny mit Sekt. Eines Abends, meine Freunde hatten mich längst aufgegeben, startete ich einen letzten Versuch in Sachen experimentelles Trinken.

Erster Abend: ein Glas Kefir, dann ein Glas Bananenmilch.
Zweiter Abend: ein Glas Banenenmilch, dann ein Glas Kefir.
Dritter Abend: ein Glas Kefir und Bananenmilch gemischt.

Diesen lebensverachtenden Selbstversuch konnte ich gottlob schon nach einem Abend abbrechen, denn ich hatte meine Droge gefunden. Es war der Kefir, der mir in Mengen ab 0,25 Liter eine ansehnliche Geisteserweiterung verschafft hatte, erfreulicherweise sogar ohne Sichtfeldeintrübung. Und nachdem ich die Bananenmilch weggelassen hatte, wurde mir nicht mal mehr übel davon. In einem meiner ersten Kefirräusche dachte ich den Satz "Mauersegler rudern nicht", der bis heute mein selbstgedachter Lieblingssatz überhaupt ist.

Achnaja, die Verpackung. Schlimmste Verbrämung slavischer Stereotypen. Zwiebeldächer, zarengrüne Streifen, optisch ein Totalausfall, die Molkerei als Feindbild, alles richtig. Aber wenn's doch wirkt.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Zott Jogolé Genießer-Molke

Genießer-Molke ist ja schon mal ein Wort der Hoffnung.

Ich habe Molke in der Grundschule kennengelernt als Zuschlagstoff in der ostfriesischen Tonziegelindustrie in Marienhafe zu den Zeiten vor Störtebecker. Ich hatte übrigens einen GENIALEN Sachkundelehrer in der Grundschule namens "Mense Hülsebus". "Mense" ist der Vorname, nicht "Hülsebus". Was in Ostfriesland auch möglich wäre.

Also, diese Genießermolke wird geliefert in einem formschönen, handlichen Kanister. Mit rotem Deckel, damit man gleich weiß, wo man aufmachen soll. Ist ja nicht immer so klar, heutzutage. Jogolé ist der Vorname dieser Flüssigkeit, und das ist auch schon das erste Problem.

Es schmeckt nämlich überhaupt nicht wie erhofft nach Tonziegelzuschlagstoff, sondern nach Joghurt. Joghurt - Jogolé. Haha. Die Namensähnlichkeit. Haha, nicht wahr? Die Namensähnlichkeit. Man fühle sich hier kumpelig mit dem Ellenbogen in die Seite geboxt. Die Namensähnlichkeit. Sowas.

Auf dem Kanister sind kleine dunkleblaue und große grüne Beeren abgebildet, die von einer p0rn0grafischen Flüssigkeit geschwemmt werden. Was mich betrifft, dämpft das den Optimismus ja dann schon etwas. Unter der Abbildung steht die etwas kryptische Bemerkung "Traube-Holunder". Vermutlich ist das die Zielvereinbarung, was den Geschmack und die beschriebene Abbildung betrifft. Ach was, nee. Unwahrscheinlich.

Nach dem Lüpfen des roten Deckels steigt einem ein Duft von "Airwaves Cool Casis" in die Nase. Das ist bestimmt der Holunder, da wette ich drauf. Die Flüssigkeit ist gar nicht weiß, sondern milkafarben mit bordeauxroten Punkten drin. Naja. Da kann man ja noch dran arbeiten.

Die Überraschung ist dann der Geschmack. "Zott Jogolé Genießer-Molke" schmeckt gar nicht nach Airwaves-Kaugummi. Das schmeckt einfach wie saurer Joghurt mit Farb- und Aromazuschlagstoffen schwer zu bestimmender Absicht. Also insofern gar nicht mal weit entfernt von Molke.

Hersteller ist übrigens Roberto "Zott" Blanco. Das erklärt dann eigentlich auch alles. Der versteht nicht soo viel von Ostfriesland.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Optiwell Joghurtgenuss Pfirsich-Maracuja

Ich erinnere mich mit gemischten Gefühlen an meine Kindheitssonntage. Es wurde ausgeschlafen, bis wir die Augen nicht mehr zubekamen, zum Frühstück gab es ofenwarme Brötchen und Toast, danach hingen wir vor dem Fernseher herum und erspürten, wie unsere Gehirne bei Diese Drombuschs irreparabel schrumpften. Soweit der gute Teil.

Wenn es Kaffeezeit wurde, sank die Stimmung jedoch rapide. Das lag daran, dass die gestrenge Frau Mama über die Jahre ein etwas eigenwilliges Hobby entwickelt hatte, nämlich gesundheitsfördernden Kuchen zu backen. Dabei wurden die Erzfeinde Fett, Zucker und Cholesterin gnadenlos verfolgt und ausgelöscht. Heraus kam ein mit Hilfe von Süßstoff, selbstgeschrotetem Dinkelmehl, Apfelpektin und unheiligen Beschwörungsformeln hergestelltes Kuchenimitat. Fettfrei, zuckerfrei, cholesterinfrei, insgesamt: kuchenfrei. Dem gestrengen Herrn Papa und mir fiel die Aufgabe zu, unsere allwöchentliche Enttäuschung zu verbergen angesichts des Gebildes, das bretthart war, nach Pappe und Achselhöhle schmeckte und äußerlich nur bei schummeriger Beleuchtung an einen Kuchen erinnerte. An den Adventssonntagen ahmten wir sogar Wohlgefallen nach.

Dennoch hat meine sonntags erworbene Schauspielkunst mir nicht im Geringsten geholfen, beim Optiwell Joghurtgenuss Pfirsich-Maracuja die Contenance zu bewahren.

Der Joghurt präsentiert sich in einem ungewöhnlichen, nierenförmigen Becher aus durchsichtigem Plastik. Das wirkt freizügig, auf den konservativen Betrachter gar ein wenig frivol. Auch der Deckel, der einen Teil des Inneren notdürftig bedeckt, bietet keine wirkliche Privatsphäre. Lustvoll posaunt er intimste Daten in die Welt: 0,1 Prozent Fett, 57 Kalorien auf 100 Gramm, hört, hört! Die Maracuja hat jegliches Schamgefühl über Bord geworfen und präsentiert uns ihr zerfurchtes Inneres, was sie lieber sein gelassen hätte. Im krassen Kontrast dazu der auf Topmodel gebürstete Pfirsich gleich hinter ihr. "Pfirsiche könntet ihr sein", ruft dieser Joghurt uns zu, "ihr alle könntet Pfirsiche sein, pralle, festfleischige, sexy motherfucker!"

Wer noch in dieser erotischen Phantasie versunken den Deckel hebt, der wird von der Realität recht unwirsch in Empfang genommen. Wer nach dem unbeschönigt-chemischen Geruch noch kann, wendet sich dem Inhalt zu. Der ist gelb-weiß gestreift, wie früher die Strandbälle. Ach ja, früher, als wir uns noch an den Strand getraut haben. Los, probieren. So schlimm wird es schon nicht sein. Es ist so schlimm. Sogar richtig widerlich. Es hilft kein Rühren - dieser Joghurt ist absolut genussfrei. Dann doch lieber gar nichts essen.

Wäre Optiwell Joghurtgenuss ein Kuchen, er wäre nicht mal bei der gestrengen Frau Mama als solcher durchgegangen.

Dienstag, 27. Januar 2009

Wiesehoff Sahnemolkerei Frischer Kakao

B. Hussein ist ja nun Präsident. Deshalb geht es heute zur Feier von Silvios Meinungen über gebräunte junge Männer und Präsidenten um Kakao (Ich erwarte im übrigen humorlose und politisch-korrekt korrigierende Kommentare in GROSSER ZAHL. Ich will Rekorde purzeln sehen!!).

Die Schwester von "Wiesehoff Sahnemolkerei Frischer Kakao" hatten wir ja schon mal, und zwar in wohlwollender Erinnerung, da geht man dann schon mal optimistisch ans Werk.

In der äußerlichen Erscheinung ist dem Bericht über die Schwester nichts hinzuzufügen, außer: alles Braun.

Diesmal raw 'n dirty, ohne Strohhalm direkt in die Fresse getrunken. Aber der Reihe nach. Nach öffnen des Tetrapaks steigt ein Duft von Pattex-Holzleim in die Nase. Angenehm, zumindest, wenn man so erkältet ist wie ich.

Ohne Strohhalm schüttet man den Kakao ja eher, so dass man den Mund sofort voll mit Kakao hat, und die Weinprobenmanöver da dann doch eher riskant sind. Mein Monitor blickt mich da jetzt ziemlich erleichtert an.

Eine leichte Bitterkeit schleicht sich heimlich ein in den weichen Milch-Feel. Der leicht sandige Kakao fügt sich harmonisch aber doch rebellisch in den Gesamtgeschmack aus Sahne, Milch und Tetrapak-Papierfaser ein. Das ist schön, das ist wunderbar, das gefällt: Ein bisschen schocken, aber nicht so, dass Oma in die Hose macht.

Man spürt den Drang des jungen Kakaos, das ungeduldige Bedürfnis, sich unter den etablierten Geschmäckern von Pappe, leicht saurer Milch und diesem undefinierbaren Industrieflair zu behaupten, ja, sie in die Defensive zu drängen um die Welt zu verbessern, den Menschen Hoffnung zu bringen, Guantanamo zu schließen, die Truppen aus dem Irak zu holen und ein Konjunkturpaket durch den Congress zu pauken.

Was soll ich sagen, ein gelungener Auftritt.

Dienstag, 20. Januar 2009

Merl Kirsch-Dessert

Menschen, die sich für Künstler halten, begeben sich gerne in lächerliche Situationen, die sie hinterher als Grenzerfahrungen umdeuten. Zum Beispiel neulich.

Ich saß mit einer Freundin in einer Gaststätte, der Abend war jung, das Männermaterial trieb uns aus verschiedenen Gründen die Tränen in die Augen. Tequila sollte das Anästhetikum der Wahl sein. "Der ist aus!", trötete das Bedientier. Ich tippte blind in die Getränkekarte und las vor: "Eierlikör." Das Bedientier tauchte verdächtig lange unter die Theke ab, kam mit einer Flasche pastösen, gelblichen Inhalts wieder hervor und löffelte mir eine Portion des Flascheninhalts in ein Schnapsglas. Traurigkeit senkte sich auf mich herab.

Dieses aufregend pointenlose Erlebnis führt uns direkt zu unserem heutigen Besprechungsgegenstand. Die Verpackung des Kirsch-Desserts von Merl macht gleich klar, worum es geht: Eierlikör. Als See hat er sich auf dem gesamten Etikett ergossen. Die Kirschgruppe am oberen Bildrand wirkt eingeschüchtert. Offensichtlich handelt es sich um Nichtschwimmerkirschen. Die Schichtenskizze informiert den technisch orientierten Konsumenten: Um die Eierlikörmenge muss man sich wirklich keine Sorgen machen.

Derart eingestimmt fährt der Löffel freudig in das vierschichtige Dessert ein. Der intensiv-alkoholische Duft betäubt umgehend, so lässt sich der sensorische Eindruck vorerst gut ertragen. Bisquit und die namensgebenden Kirschen sucht man geschmacklich allerdings vergebens. Die ganze Welt ist Eierlikör. Und süß ist sie, die Welt, auf bedrückende Weise süß. Spätestens nach Löffel Numero 3 macht sich im Mundraum ein unangenehmes Erleben breit. Ein Blick in die Zutatenliste verrät, was der Zunge verborgen bleibt: Dieses Dessert enthält tatsächlich Spuren von Milch. Der Magen sendet eindeutige Zeichen des Unbehagens. Einfach nicht drüber nachdenken. Auch dieser Becher ist irgendwann leergelöffelt.

Ein Dessert wie ein Nachmittag bei der Oma. Man ist erleichtert, wenn es vorbei ist.